Warum ein flacher, schöner Bauch entspannt sein sollte!

Warum man im Alltag die äusseren (tastbaren) Bauchmuskeln mit Vorteil entspannt loslassen – und nur die tiefste Schicht (den Transversus-Muskel) gebrauchen sollte:

Wir Menschen neigen im Leben zur steten Verkürzung im Oberkörper an der Vorderseite und entwickeln im Alter häufig einen Rundrücken, da wir noch immer den Oberkörper eines Vierbeiners besitzen. Diese haben sinnvollerweise die Hinterwand des horizontalen Oberkörpers verstärkt (Wirbelsäule und starker Rippenkasten hinten), da dort dann all seine Organe aufgehängt sind.

Ein Körperteil, der lange Zeit aufrecht ist, verstärkt sein Gleichgewicht mit einem zentralen Pfeiler. Wir sind noch zu wenig lang auf zwei Beinen – und deshalb liegt unsere Wirbelsäule im Brust- und Bauchraum noch immer hinten. Viel ökonomischer wäre in der Mitte – was im Hals übrigens bereits geschehen ist, da die Hälse bereits im Tierreich immer aufrecht sind.
Bei uns Zweibeiner wird deshalb die Vorderseite und – verheerender – der ganze Innenraum im Bauch und Brustraum gestaucht (viele Hohlräume, Luft und Wasser!). Damit wird u.a. unsere Bauchwand nach aussen gedrückt und muss ständig durch eine angespannte äussere Bauchwand gehalten werden, was wiederum unsere Vorderseite massiv verkürzt!

Nie mehr Rumpfbeugen!

Nun hat es auch die US-Army gemerkt, dass Rumpfbeugen starke Rückenschmerzen verursachen und haben diese komplett aus sämtlichen Fitnessprogrammen gestrichen! Das Auftrainieren der oberflächlichen Bauchwand (M. Rektus Abd. und Mm. Obliquii) führt immer zur Verkürzung der Frontallinie und damit zur Kompression in der Lendenwirbelsäule!

Ein schöner, wohlgeformter, flacher Bauch kann nur erreicht werden, wenn vor allem der Rektus-Bauchmuskel entspannt und lang bleiben kann.
Dies wiederum ist nur durch die drei Eigenschaften des Gleichgewichts des menschlichen Körpers möglich. Diese beschreibe ich hier ausführlich auf meiner Website: www.dr-walser.ch/gleichgewicht.htm.

Zudem neigen die oberflächlichen Muskeln, die meist dünner, flächiger, mehrgelenkig sind und kühler haben, auch zu Verkürzungen und Verspannungen.
Man sollte also nie die externen Muskeln, die für dynamische Aufgaben gedacht sind (Globales System) zu statischen Aufgaben gebrauchen. Ideal dazu sind nur die isometrisch und entspannt tätigen tiefen Kernmuskeln (Lokales System).

Eine sehr schöne Bauchmuskelübung für den tiefsten M. Transversus Abd. ist hier!

Bild
Auf dieser Abbildung sieht man links eine normal geschwungene Wirbelsäule und rechts eine Hyperkyphose der Brustwirbelsäule. Bei diesem Rundrücken rechts fehlen folgende Kriterien eines Gleichgewichts:

>>> Tiefenaktivität oder Kernstabilisierung und Oberflächenentspannung
– siehe auch Stabilität durch Länge und aus dem Bindegewebe
(„Body Stocking“!)
Es ist für unser Gleichgewicht von Nutzen, wenn tiefe Strukturen in unserem Körper aktiv werden und die Stabilisierung übernehmen und oberflächlich gelegene sich entspannen können. Diese tiefen Strukturen nennt man auch „tiefe Rumpfstabilisatoren“, „lokale Muskeln“ oder „Core“ (Es sind die Psoasmuskeln, der Beckenboden = M. Pubococcygeus, M. Transversus abdominis, Mm. Multifidi und Mm. Rotatores, M. Serratus, M. Longus colli,…).
Jede optimal ausgeführte Alltagsbewegung und -haltung beginnt mit der Aktivierung dieses sog. lokalen Systems, also der tiefen Rumpfstabilisatoren. Erst wenn diese aktiv sind, können die globalen, oberflächlichen Hüllmuskeln ökonomisch und entspannt arbeiten!
Siehe auch zum Stichwort „Segmentale Stabilisation“ und zuTiefenaktivität hier: www.dr-walser.ch/segmentale-stabilisation.pdf

Beim Rundrücken ist es sehr wichtig, dass die verkürzte Vorderwand des Oberkörpers sich wieder entspannt verlängern kann. Dazu ist der zweite Punkt nötig:

>>> Hüftgelenksaktivität oder „Hüftachse hinter dem Lot“
Für das Gleichgewicht förderlich ist auch ein primär benütztes und überhaupt aktiveres Hüftgelenk (dies im Vergleich zum Kniegelenk, welches häufig bei uns schon sprachlich im Vordergrund steht: „in die Knie gehen“, „Kniebeuge“…).
Dann die Federung aus der Hüfte beim Gehen (Hüftachse hinter Schulterachse) – oder die leichte Faltung beim Stehen, etc..

Zu optimalem Stehen und Gehen im Gleichgewicht siehe hier: „Ökonomie der Bewegung“.

>>> lange Mittellinie mit vorne konvexer Form:
Bedingung für die zwei obigen Qualitäten und das Gleichgewicht ist eine lange Mittel- und Frontallinie des Rumpfs (von Kinn bis Schambein), was auch ein langer Innenraum des Oberkörpers bewirkt, den man immer durch eine vorne konvexe Mittellinie erreicht (also durch ein senkrechtes Brustbein und ein Schambein, das hinter dem Lot liegt: Schultergürtel und Kopf können ruhig auf diesem Rumpf balancieren).
Man weiss auch aus Studien, dass die Wirbelsäule aufrichtenden Multifidi-Muskeln erst aktiv werden können, wenn sich die Mittellinie des Rumpfs in der vorne konvexen Form befindet. Beim Rundrücken (hinten konvex – Becken vor Lot) sind diese inaktiv!

Diese Eigenschaften des Gleichgewichts und damit die funktionell bessere, sprich ökonomischere Alltagsbewegung – und damit einen entspannten, flachen Bauch! – können Sie im ROLFING lernen:
www.dr-walser.ch/rolfing.htm