Hohlkreuz – vergessen sie es!

Es ist ein falscher Mythos, dass das sogenannte Hohlkreuz (die Lendenlordose) immer schlecht sei, wie dies viele Körperarbeiter und Physiotherapeuten annehmen.Bereits zur Stabilität beim Sitzen benötigt man zum Beispiel ein (entspanntes) Hohlkreuz, damit man vor den Sitzbeinhöckern zu sitzen kommt und damit auf den flachem Beckenboden.

Weiter ist das Hohlkreuz ein denkbar schlechtes Bild für den Patienten, um damit zu arbeiten, da wir lumbal im Rücken eher unbewusst sind – und uns besser nach der (bewussten) Vorderseite des Körpers halten, welche lang und entspannt sein sollte (v.a. die oberflächliche Bauchwand, also der Rektusmuskel). Dafür benötigen wir, wie übrigens gegen den Rundrücken (siehe meinen Blogbeitrag darüber: http://walserblog.ch/2014/04/20/warum-ein-flacher-schoner-bauch-entspannt-sein-sollte/) die drei Bedingungen des Gleichgewichts (siehe genauer hier: www.dr-walser.ch/gleichgewicht.htm):

A) Tiefenaktivität oder Kernstabilisierung und Oberflächenentspannung
(auch Stabilität durch Länge und aus dem Bindegewebe: siehe „Body Stocking“: http://walserblog.ch/2014/12/15/stabilitaet-durch-laenge/!)

Es ist für unser Gleichgewicht förderlich, wenn tiefe Strukturen in unserem Körper aktiv werden und die Stabilisierung übernehmen und oberflächlich gelegene sich entspannen können. Diese tiefen Strukturen nennt man auch „tiefe Rumpfstabilisatoren“, „lokale Muskeln“ oder „Core“ (Psoasmuskel, Beckenboden = M. Pubococcygeus, M. Transversus abdominis, Mm. Multifidi und Mm. Rotatores, M. Serratus, M. Longus colli,…).

Jede optimal ausgeführte Alltagsbewegung und -haltung beginnt mit der Aktivierung des sog. lokalen Systems, also dieser tiefen Rumpfstabilisatoren. Erst wenn diese aktiv sind, können die globalen, oberflächlichen Hüllmuskeln ökonomisch und entspannt arbeiten!

B) Hüftgelenksaktivität oder „Hüftachse hinter dem Lot“
Für das Gleichgewicht ist es wichtig, dass das Hüftgelenk primär benützt wird und aktiv wird (dies im Vergleich zum Knie, welches häufig bei uns schon sprachlich im Vordergrund steht: „in die Knie gehen“, „Kniebeuge“…).

Als schönes Beispiel hierfür gilt die „Halbe Hocke“, die vor allem aus den Hüftgelenken kommt.

Dann die Federung aus der Hüfte beim Gehen (Hüftachse hinter Schulterachse) – oder die leichte Faltung beim Stehen, etc..

Um die Hüftachse hinter das Lot zu bekommen, sollte das Becken wie eine „gut geölte Schublade“ nach hinten gleiten (und nicht kippen!). So bleibt die Lendenwirbelsäule lang und es entsteht nie ein Hohlkreuz!

C) lange Mittellinie mit vorne konvexer Form
Förderlich für die zwei obigen Qualitäten und das Gleichgewicht ist dann eine lange Mittel- und Frontallinie des Rumpfs (von Kinn bis Schambein), was auch ein langer Innenraum des Oberkörpers bewirkt, den man immer durch eine vorne konvexe Mittellinie erreicht (also durch ein senkrechtes Brustbein und ein Schambein, das hinter dem Lot liegt: Schultergürtel und Kopf können ruhig auf diesem Rumpf balancieren).

Man weiss auch aus Studien, dass die Wirbelsäule aufrichtenden Mm. Multifidi erst aktiv werden können, wenn sich die Mittellinie des Rumpfs in dieser vorne konvexen Form befindet. Beim Rundrücken (hinten konvex – Becken vor Lot) sind sie inaktiv!

Diese drei Regeln oder Merkmale bedingen und fördern sich gegenseitig.

Dieses „Gleichgewicht“ und diese katzenartige, ökonomische „Bewegung aus dem Bindegewebe“ kann man zum Beispiel im Rolfing lernen: www.dr-walser.ch/rolfing.htm!