Schlagwort: gleichgewicht

  • Gehen, Wandern, Joggen: Bewegung aus Entspannung und von Innen

    Gehen, Wandern, Joggen: Bewegung aus Entspannung und von Innen

    Unser Oberkörper stammt noch von den Vierbeinern: Die Wirbelsäule und der Rippenbogen stützen die Rückwand, damit die Organe sinnvoll wie an einer Teppichstange hängen können.

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    Alles, was in der Natur lange aufrecht steht, bringt seine Stütze oder seinen Pfeiler allmählich in die Mitte. So geschah es bei unserem Hals: Hier liegt die Wirbelsäule bereits zentral und erreicht gleich unter dem Ohr den Schädel. Im Rumpf jedoch stecken wir noch in einer kritischen Phase der Evolution. Unser Oberkörper ist noch nicht lange genug aufrecht, denn die Wirbelsäule verläuft dort weiterhin hinten. Deshalb neigt der menschliche Rumpf dazu, sich im Laufe des Lebens vorne zu verkürzen und oft einen Rundrücken zu entwickeln.

    Diese Verkürzung können wir nur vermeiden, wenn die isometrisch arbeitenden Rumpfmuskeln im Rücken aktiv werden, während die Vorderseite entspannt und lang bleibt. Es braucht also eine Haltung und Bewegung, die innere Aktivität mit äusserer Entspannung verbindet.

    Beides fällt uns Westlern schwer. Wir sind To-Do-Menschen, die Aktivität eher mit Anspannung als mit Loslassen beginnen. Doch genau das wäre die Aufgabe: loslassen, der Schwerkraft vertrauen und geschehen lassen. Unsere Aufmerksamkeit richten wir – wenn überhaupt – nur in tiefer Entspannung oder Meditation nach innen. Dabei liegt genau dort, im Raum der Rumpfmuskulatur, dem sogenannten Core, der Ursprung der Kundalini-Energie, die sich von dort aus entfaltet.

    Anders ausgedrückt geht es auch hier um die Ökonomie einer „natürlichen“ Bewegung und dabei existieren eine allgemeine Bedingung (oder Prinzip) und 3 Merkmale als Folge davon (siehe Genaueres dazu in der strukturellen Bewegungslehre – u.a. in der Strukturellen Integration nach Ida Rolf, auch „Rolfing“ genannt: www.dr-walser.ch/gleichgewicht/).
    Die allgemeine Bedingung oder das allgemeine Prinzip heisst:
    „Jede Bewegung wird durch selektive Reduktion von aktiver Spannung ausgelöst, also eigentlich durch Entspannung!“
    Und… wie Sie dies an diversen Stellen meiner Website lesen können, kann dies nur aus diesen inneren Strukturen geschehen: Lesen Sie u.a. hier übers Joggen
    oder hier übers Wandern.

    Letzte Aktualisierung von Dr.med. Thomas Walser:
    27. Januar 2025

  • Hohlkreuz – vergessen sie es!

    Hohlkreuz – vergessen sie es!

    Es ist ein falscher Mythos, dass das sogenannte Hohlkreuz (die Lendenlordose) immer schlecht sei, wie dies viele Körperarbeiter und Physiotherapeuten annehmen.Bereits zur Stabilität beim Sitzen benötigt man zum Beispiel ein (entspanntes) Hohlkreuz, damit man vor den Sitzbeinhöckern zu sitzen kommt und damit auf den flachem Beckenboden.

    Weiter ist das Hohlkreuz ein denkbar schlechtes Bild für den Patienten, um damit zu arbeiten, da wir in unserem Rücken eher unbewusst sind – und uns besser nach der (bewussten) Vorderseite des Körpers halten, welche lang und entspannt sein sollte…

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  • Faszien und Bindegewebsarbeit

    Faszien und Bindegewebsarbeit

    Hier stelle ich mit Freude nochmals meinen Freund und Rolfer Hans Flury vor:

    Meine Frage an ihn:

    Wir erleben momentan einen wahrhaftigen „Faszienhype“ – viele sprechen und schreiben vom Bindegewebe (selbst eine GEO-Nummer war diesem Thema gewidmet) – notabene über das Bindegewebe, von dem ich in meiner medizinischen Grundausbildung fast gar nichts hörte.
    Die Leute kommen also zu mir und wollen von mir einen Rat, was für eine Sportart die „beste für Faszientraining“ sei – welches „Hilfsmittel“ und welche „Übungen“ für „Faszienarbeit“ geeignet sind (Stichwort: Blackroll, Spezialschuhe,…).
    Meine Standartantwort ist dann: „Tun Sie das, was Ihnen Spass macht (das tun Sie nämlich höchstwahrscheinlich dann auch noch in einem Jahr…)!“
    – und: „Was man auch tut, kann man auch mit den „Leitlinien der
    Normal Function“, quasi „mit dem Bindegewebe im Fokus“ tun.“.

    Was hast Du für „Standardantworten“ auf diese häufigen Fragen?! Und sprich etwas über Deine ´Leitlinien der Faszientechnik´.
    herzlich, Thomas

    Hans Flury:

    „Lieber Thomas
    Ja, der Faszienhype! Der hat mich zuerst irritiert, geärgert sogar, aus Gründen, die unwichtig sind. Dann habe ich mir jedoch überlegt, dass solche unschuldigen Hypes vielleicht ganz belebend sind. Die Leute, die an die Faszienkongresse und -veranstaltungen strömen, die ihren Körper über die Blackroll gleiten lassen, scheinen begeistert zu sein. Und im Gegensatz zu den vielen harten Methoden, die dem gesellschaftlichen Zwang zur Selbstdisziplinierung und Selbstoptimierung zudienen, ist das Faszientraining doch eher menschenfreundlich, körperfreundlich jedenfalls.
    Ja, da sind immer diese Fragen nach dem, was man tun könnte/ sollte/ müsste. Ich finde aber, Menschen sollten alles tun können, was sie möchten: Golf spielen, Klettern, Krafttraining, Laufen, Tanzen… Mich interessiert nur die Frage nach dem wie. Und meine monotone Antwort auf die Frage nach dem wie ist natürlich „Normal Function“. Das ist klar, präzise, eindeutig. Und es bedeutet das Maximum für die vier wichtigsten Anliegen des Rolfing: Balance, Support (gestützt werden), Länge im Körper, ökonomische Funktion.

    Ich bitte die Klienten, eine typische Bewegung zu machen, und zeige dann, wie sie in Normal Function geschieht (!). Oft resultiert ein Aha-Erlebnis, manchmal entsteht eine gewisse Verwirrung, weil das so fremdartig ist, öfter höre ich ein „Aua“, weil jetzt ein maximaler Zug im ganzen Körper entsteht.
    Du siehst, ich kann mit diesen diffusen Begriffen wie „Leitlinien der Faszientechnik“ oder „Bindegewebe im Fokus“ nichts anfangen. Weshalb vage sein, wenn du klar und eindeutig sein kannst?
    Ich weiss nicht, ob du vielleicht mit „Faszientechnik“ den „fascial release“ meinst. Diese Methode scheint unterdessen bei den unterschiedlichsten Formen von Körpertherapie verbreitet zu sein, eine Bereicherung der therapeutischen Palette, sozusagen. Und warum nicht? Schliesslich hat wer heilt immer Recht.
    Du weisst ja, dass mich Ida Rolfs Ideen noch immer faszinieren, und viele davon sind noch lange nicht konkretisiert. Das Ironische an diesem Faszienhype ist, dass es Ida Rolf nicht gross interessiert hat, was Faszien sind. Ihre Funktion hat sie interessiert. Dabei muss man unterscheiden: nicht wie Faszien an und für sich funktionieren, war ihr Anliegen, sondern welche Funktion sie für den Körper als Ganzes erfüllen. Das sind vor allem das Zusammenhalten (Container) und das Stützen (Support). Ideal funktioniert das in dem, was sie „normal structure“ nannte. Es ging ihr also um die Form des Körpers, das Umformen in Richtung normale Struktur. Faszien waren das Mittel zu diesem Zweck. Nun sind die Faszien selbst zum Zweck geworden, oder soll man sagen, Faszienarbeit dient jetzt auch anderen Zwecken? Das wäre ja auch nicht so schlecht!

    Ich weiss nicht, ob ich deine Fragen beantwortet habe, aber Fragen sind ja so viel interessanter als Antworten.
    Herzlich Hans“

    Weiterlesen:
    Die Rolfingseite meiner Website:
    www.dr-walser.ch/rolfing/

    Strukturelle Bewegungslehre in Kürze: oekonomie_der_bewegung.pdf

    Laufhaltung beim Joggen nach Rolfing-Art >>> laufhaltung.pdf

    Haltungen in diversen Sportarten und Körperübungen >>> haltung_im_sport

    Was ist das Gleichgewicht? >>> gleichgewicht

    Und hier noch von Wolf Wagner (auf englisch) eine Einführung der wichtigsten Fragen, die die Theorie der „Strukturellen Integration“ absteckt!

    “ Falten gegen die Wand“ von Hans Flury: eine fast schon optimale Übung zum „integrierten Faszientraining“: falten_gegen_eine_wand.pdf .

    Letzte Aktualisierung von Dr.med. Thomas Walser:
    31. August 2022