Berggehen und Bergsteigen schaden gesunden Knien nicht, selbst bei verschiedenen Druck- und Drehkräften. Solange keine angeborenen Beinfehlstellungen oder Knieverletzungen vorliegen, liegt es weitgehend in der eigenen Hand, Knieprobleme zu vermeiden.
Beim Aufstieg treten keine Knieprobleme auf. Kritisch wird es beim Abstieg, da das Knie bei jedem Schritt das gesamte Körpergewicht abfangen muss. Daher sollte man sich beim Abstieg Zeit lassen, langsam und in kleinen Schritten gehen und wenig Gepäck mitnehmen. Die Gehtechnik sollte man situationsbezogen anpassen: mal die Füsse querstellen, mal beide Wanderstöcke einsetzen, aufrecht-tief oder geradlinig-seitlich gehen. Der Oberkörper sollte mit leicht gebeugtem Hüftgelenk nach vorne geneigt sein, während Brustbein und Kopf senkrecht bleiben. Auch die Knie- und Hüftgelenke sollten leicht gebeugt sein, um eine Abrollbewegung vom Fersen- bis zum Fussballen zu ermöglichen.
Wie fängt man die Druckkräfte am besten ab? Nicht unbedingt mit Wanderstöcken! Eine gut trainierte Oberschenkelmuskulatur ist entscheidend: keine Touren unternehmen, denen man kräftemässig nicht gewachsen ist. Je schwächer und unelastischer der Oberschenkel, desto ruckartiger und belastender wirkt jeder Schritt auf die Knie.
Wanderstöcke sollten nur Alpinisten mit Kniebeschwerden beim Abstieg nutzen. Dabei sind immer zwei Stöcke zu verwenden, idealerweise stufenlos verstellbar wie Teleskopstangen. Die Stöcke sollten so kurz sein, dass die Ellbogen maximal 45 Grad gebeugt sind, und möglichst nahe der Falllinie des Körpers gesetzt werden. Ein zu grosser seitlicher Abstand mindert die Kraftentlastung und kann das Gleichgewicht stören. Regelmäßiger Stockeinsatz kann das Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigen und das Risiko von Stolpern oder Straucheln erhöhen, der häufigsten Unfallursache beim Bergsteigen.
Zudem besteht die Gefahr, dass man sich zu sehr auf das Einstecken der Stöcke konzentriert und dabei nach unten schaut. Der Hals streckt man dabei nach vorne – und es kann daraus sogar ein Rundrücken entstehen!
In diesem Zusammenhang ist auch interessant, sonstige sportliche Tätigkeiten mit Stöcken anzuschauen:
Nordic Walking muss so auch kritisch gesehen werden: Die Beeinträchtigung des Gleichgewichtes wird in etwa dieselbe sein wie beim Bergwandern. Zudem ist der Energieverbrauch (Fettverbrennung!), wie häufig behauptet wird, nicht grösser als beim normalen Walken oder leichten Joggen (zeigen zwei finnische Studien). Die etwas höhere Aktivität von Arm- und Schultermuskulatur wird wohl durch ein automatisch weniger intensives Gehen wieder nach unten kompensiert.
Eine Entlastung der Gelenke gibt es durch die Stöcke kaum (siehe oben).
Und noch ein Nachteil zeigt sich bei Faustschlussaktionen durch Halten der Stöcke: Dies hat eine Tonisierung (und spätere Verkürzung und häufige Verspannung) der ganzen Extensorenschlinge des Armes und in Fortsetzung auch der Schultermuskulatur (v.a. des Supraspinatusmuskels) zur Folge! Man muss also – wie richtig instruiert und wie auch im Langlauf – den Stock beim Vorschwingen unbedingt loslassen.
Man kann also auch als Regel formulieren: Beim Sport möglichst nichts in den Händen halten und damit den Faustschluss weitgehend verhindern!
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und übers Wandern allgemein >>>
Letzte Aktualisierung von Dr.med. Thomas Walser:
08. Februar 2025


