Schlagwort: Bergwandern

  • Sind Wanderstöcke beim Berggehen sinnvoll?

    Sind Wanderstöcke beim Berggehen sinnvoll?

    Berggehen und Bergsteigen schaden gesunden Knien nicht, selbst bei verschiedenen Druck- und Drehkräften. Solange keine angeborenen Beinfehlstellungen oder Knieverletzungen vorliegen, liegt es weitgehend in der eigenen Hand, Knieprobleme zu vermeiden.

    Beim Aufstieg treten keine Knieprobleme auf. Kritisch wird es beim Abstieg, da das Knie bei jedem Schritt das gesamte Körpergewicht abfangen muss. Daher sollte man sich beim Abstieg Zeit lassen, langsam und in kleinen Schritten gehen und wenig Gepäck mitnehmen. Die Gehtechnik sollte man situationsbezogen anpassen: mal die Füsse querstellen, mal beide Wanderstöcke einsetzen, aufrecht-tief oder geradlinig-seitlich gehen. Der Oberkörper sollte mit leicht gebeugtem Hüftgelenk nach vorne geneigt sein, während Brustbein und Kopf senkrecht bleiben. Auch die Knie- und Hüftgelenke sollten leicht gebeugt sein, um eine Abrollbewegung vom Fersen- bis zum Fussballen zu ermöglichen.

    Wie fängt man die Druckkräfte am besten ab? Nicht unbedingt mit Wanderstöcken! Eine gut trainierte Oberschenkelmuskulatur ist entscheidend: keine Touren unternehmen, denen man kräftemässig nicht gewachsen ist. Je schwächer und unelastischer der Oberschenkel, desto ruckartiger und belastender wirkt jeder Schritt auf die Knie.

    Wanderstöcke sollten nur Alpinisten mit Kniebeschwerden beim Abstieg nutzen. Dabei sind immer zwei Stöcke zu verwenden, idealerweise stufenlos verstellbar wie Teleskopstangen. Die Stöcke sollten so kurz sein, dass die Ellbogen maximal 45 Grad gebeugt sind, und möglichst nahe der Falllinie des Körpers gesetzt werden. Ein zu grosser seitlicher Abstand mindert die Kraftentlastung und kann das Gleichgewicht stören. Regelmäßiger Stockeinsatz kann das Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigen und das Risiko von Stolpern oder Straucheln erhöhen, der häufigsten Unfallursache beim Bergsteigen.

    Zudem besteht die Gefahr, dass man sich zu sehr auf das Einstecken der Stöcke konzentriert und dabei nach unten schaut. Der Hals streckt man dabei nach vorne – und es kann daraus sogar ein Rundrücken entstehen!

    In diesem Zusammenhang ist auch interessant, sonstige sportliche Tätigkeiten mit Stöcken anzuschauen:
    Nordic Walking muss so auch kritisch gesehen werden: Die Beeinträchtigung des Gleichgewichtes wird in etwa dieselbe sein wie beim Bergwandern. Zudem ist der Energieverbrauch (Fettverbrennung!), wie häufig behauptet wird, nicht grösser als beim normalen Walken oder leichten Joggen (zeigen zwei finnische Studien). Die etwas höhere Aktivität von Arm- und Schultermuskulatur wird wohl durch ein automatisch weniger intensives Gehen wieder nach unten kompensiert.
    Eine Entlastung der Gelenke gibt es durch die Stöcke kaum (siehe oben).

    Und noch ein Nachteil zeigt sich bei Faustschlussaktionen durch Halten der Stöcke: Dies hat eine Tonisierung (und spätere Verkürzung und häufige Verspannung) der ganzen Extensorenschlinge des Armes und in Fortsetzung auch der Schultermuskulatur (v.a. des Supraspinatusmuskels) zur Folge! Man muss also – wie richtig instruiert und wie auch im Langlauf – den Stock beim Vorschwingen unbedingt loslassen.

    Man kann also auch als Regel formulieren: Beim Sport möglichst nichts in den Händen halten und damit den Faustschluss weitgehend verhindern!

    Lesen Sie mehr über die Körperhaltung bei verschiedenen Sportarten auf meiner Website >>>

    und über Bergläufe hier>>>

    und übers Wandern allgemein >>>

    Letzte Aktualisierung von Dr.med. Thomas Walser:
    08. Februar 2025

  • Bergläufe sind gesund! – und natürlich auch Bergwanderungen…

    Bergläufe sind gesund! – und natürlich auch Bergwanderungen…

    Ich bin ein überzeugter Fan von Bergläufen, die mir aus verschiedensten Gründen gesundheitlich viel lohnender erscheinen wie monotone Stadtläufe auf harter, ebener Unterlage.
    Bergläufe beanspruchen das menschliche Gewebe auf unterschiedlichste Weise (ebenaus, bergauf, bergab – meist auf weicher, unebener Unterlage) und verhindern durch fehlende Monotonie einseitige Abnützungen und Überbeanspruchungen von kritischen Laufzonen unseres Körpers (wie Sehnenansätze, einzelne Gelenke, gewisse Muskelgruppen).

    Schon das alltägliche Trainingsgelände sollte auch hügelig sein, also unterschiedlichste Wiesen- und Waldwege aufweisen. Komplexe Kraftanteile sind damit schon im alltäglichen Joggen enthalten (und müssen nicht mehr mühsam an Kraftmaschinen unnatürlich isoliert nachgeholt werden).
    So kann man bergauf und bergab seine Haltung immer wieder nach den Grundprinzipien einer ökonomischen Laufweise hinterfragen und ausfeilen.

    Diese hier vorgestellte Haltung ist nicht nur die (tritt-)sicherste, sondern aus verschiedenen Gründen (Tiefenaktivität und oberflächliche Entspannung, grösste Federung, Trittsicherheit und Gleichgewicht) die gesündeste!
    …und zudem ist das Laufen damit ökonomisch, d.h. Kräfte sparend und deshalb (für Wettkämpfer) schneller!

    Aus der Strukturellen Integration (auch Rolfing genannt) weiss man Folgendes, das nun langsam auch in der modernen Orthopädischen Medizin einfliesst:

    Bergauf:
    Man probiert möglichst mit dem Gewicht des Oberkörpers in „Vorlage“ in den Hang „reinzuliegen“. Man lässt sich bildlich wie eine Standseilbahn schräg nach oben ziehen. Das Seil ist am Brustbein angehängt. Man ist aber nur im Hüftgelenk gebogen, der Po bleibt hinten und das Brustbein und der Kopf drauf bleiben senkrecht  (vorne konvexe Mittellinie des Oberkörpers). Es ist also eher ein „Vorschieben“ der Brust, als eine „Vorlage“ des Oberkörpers.
    Im Schwungbein beuge ich das Knie zuerst etwas mehr  als im ebenen Gelände und lasse dann das Bein locker und entspannt aus der Hüfte raus nach vorne schwingen. Der Fuss „schlägt“ dann mit kleinen Schritten wieder in den Hang – man „stolpert“ den Berg rauf.
    Die gefühlte Anstrengung sollte dabei beim Laufen kaum grösser sein als wenn man Gehen würde. Man macht wirklich ganz kleine Schritte.
    Ich versuche auch hier immer zuerst mit der Ferse zu landen – der entspannte Fuss wird dann federartig gegen den Boden gespannt (seine Form ist ja wie eine Längsfeder und gibt so – auch dies ein Wunder unseres fantastischen Körpers – 70% der Energie zurück).

    Bergab:
    Auch hier  mit fast noch grösserer „Vorlage“ als beim Bergauf-Laufen (mit konvexer Mittellinie des Oberkörpers mit senkrechtem Brustbein weit vorne – also mehr ein „Vorschieben“ der Brust)  und starker Beugung im Hüftgelenk . So hat man den Schwerpunkt immer weit vorne über den drei wichtigen Federn unseres Körpers: Fuss, Knie und Hüftgelenk.
    Bei der häufig gesehenen Rücklage werden die Knie durch den schlechten Hebel und durch den Ausfall der Federung im Hüftgelenk und auch im Fuss massiv belastet. Zudem ist der Stand durch den Schwerpunkt, der hinter den Füssen liegt, sehr schlecht und bei nassem, glitschigen Grund ist die Gefahr gross, dass man nach hinten hinfällt. Die Bergsteiger kennen dies schon immer: „Wie ein Affe“ sollte man mit Falten im Hüftgelenk (Po hinten und Brustbein vorne, oben) eine steile Geröllhalde oder nasse Wiese runtergehen – aber auch einen normalen Bergweg abwärts.
    Das Becken scheint vergleichsweise weit hinten zu „hängen“. Dadurch schwingen die Beine wie von selbst (aus den tiefen Schwingmuskeln, dem Filet = Iliopsoasmuskeln) und es entsteht kein muskelaktives Vorsetzen (durch den „oberflächlichen“ Quadriceps-Muskel). So vermeidet man auch den „Knieschnapper“, der allein durch diese Überlastung des Quad-Muskel und seiner Sehne um die Kniescheibe entsteht.

    Das ökonomische Bewegungsmuster beim Treppensteigen kann auch als optimale Vorlage fürs Wandern, Bergsteigen und Berglaufen benützt werden:

    treppensteigen

    Lesen Sie mehr über das Berglaufen auf meiner Website: www.dr-walser.ch/berglauf/

    Letzte Aktualisierung von Dr.med. Thomas Walser:
    31. August 2022